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Das ungarische Wien

Gábor Ujváry
Auf den Spuren ungarischer Geschichte in Wien

Handelt es sich um einen Bruderzwist? Oder um eine verfeindete Freundschaft? Vielleicht um ein mit Gegensätzen beladenes, aufgezwungenes Nebeneinander? Oder um eine unbeschwerte Gemeinschaft und eine freundliche Aufnahme? Es ist schwer, die Frage zu beantworten, wodurch die mehr als 1100 Jahre währende Beziehung zwischen Wien und dem Ungartum charakterisiert ist. Eines steht aber fest: unsere lange Geschichte war die ganze Zeit unzertrennbar miteinander verbunden und ist es bis heute. Darum sind in Wien zahlreiche Spuren unserer jahrhundertelangen Beziehung zu finden. Mit dieser Broschüre würden wir Sie gerne zu einem Besuch der leicht erreichbaren Erinnerungsstätten mit Bezug Ungarn in Wien einladen und Sie dazu bewegen, in der Fachliteratur oder in der Belletristik stöbernd weiter ungarischen Spuren nachzugehen.

Wien und das Ungartum zogen schon gemeinsam in die Geschichte Europas ein. Wiens älteste schriftliche Nennung in der Form "Wenia" von 881 in den Salzburger Annalen ist mit einem Kampf gegen die Ungarn verbunden. Ungarische Truppen eroberten Wien während der magyarischen Streifzüge nach West- und Südeuropa, von 907 bis etwa 1000 stand Wiens Umgebung unter der Oberhoheit der Ungarn, auch König Stephan nahm Wien 1030 ein, ebenso Matthias Corvinus 1485: "Ließest /.../ die stolze Burg von Wien Mátyás' Heer erstürmen." - heißt es in der ungarischen Nationalhymne. Unter Imre Thököly kämpften Ungarn mit den Türken bei der Belagerung Wiens 1683 mit. Wien wurde auch von den ungarischen Truppen der Revolution 1848 bedroht. Trotz all dem war die Beziehung zwischen Wien und dem Ungartum durch einen regen Handel und durch kulturelle Wechselwirkungen geprägt. Die ungarischen Handelswege nach Westen führten schon in der frühen Neuzeit durch Wien. Zahlreiche ungarische Meister arbeiteten hier, ihr Wirken ist auch am Bau des St. Stephan Domes ersichtlich.

Die Universität Wien, an der bis am Ende des 15. Jahrhunderts die mehr als 4000 Studenten der "Natio Hungarica" ca. 20 % der Hörerschaft ausmachten, übte seit ihrer Gründung (1365) eine außerordentliche Anziehungskraft auf ungarische Studenten aus. Der erste Präsident der 1497 gegründeten Donaugesellschaft war János Vitéz der Jüngere, der auch den Posten des Bischofsadministrators in Wien innehatte (zu dieser Zeit hatte Wien noch zwei ungarische Bischöfe; Orbán Dóczy und Ferenc Bakács).

Nicht nur in der ungarischen Geschichte, sondern auch in der Präsenz des Ungartums in Wien bedeuteten die Schlacht bei Mohács (1526) und die Eroberung der Burg von Buda (1541) durch die Türken einen Wendepunkt. Von 1526 bis 1918, vier Jahrhunderte lang, waren die Habsburger, die die römisch-deutsche, und ab 1806 die österreichische Kaiserkrone trugen, gleichzeitig auch die Könige von Ungarn. Infolge der Dreiteilung Ungarns, der Eroberung des Großteils seines Gebietes durch die Türken war Wien bis 1784 auch Ungarns "Hauptstadt".

Bis 1892 war Wien die Hauptstadt der gesamten Monarchie. In diesem Jahr wurde Budapest von Kaiser Franz Joseph Wien gleichgestellt. Die damaligen ungarischen Regierungsorgane und die bedeutendsten Familien der ungarischen Aristokratie zogen nach Wien. Gleichzeitig entwickelte sich Wien zu einem der Zentren des ungarischen wissenschaftlichen und kulturellen Lebens.

Mitte des 16. Jahrhunderts unterrichtete János Sylvester hier an der Universität, hier studierte und übersetzte Péter Bornemissza die Elektra ins Ungarische, hier legte János Zsámboki den Grundstein des Handschriftenarchives der Österreichischen Nationalbibliothek. Hier wurde 1623 das zur Fortbildung der ungarischen Priester dienende Pazmaneum gegründet. Ferenc Faludy, der namhafte Dichter jener Zeit verbrachte längere Zeit in Wien.

Zahlreiche Sprößlinge des Adels besuchten - sogar zwischen den Weltkriegen - das 1746 eröffnete Theresianum. Unter den Mitgliedern der 1760 von Maria Theresia gegründeten Leibgarde befinden sich die Leibgardeschriftsteller, die ersten ungarischen Vertreter der Aufklärung: Sándor Báróczy, Ábrahám Barcsay und György Bessenyei, der mit seiner 1772 in Wien erschienenen Tragödie Agis auch in Ungarn eine neue Epoche eröffnete, und etwas später Sándor Kisfaludy. Auch der berühmte Astronom, Miksa Hell war in erster Linie in Wien tätig. Ende des 18. Jahrhunderts erschienen in Wien drei, in Ungarn hingegen nur ein ungarisch-sprachiges Nachrichtenblatt.

Während des 19. Jahrhunderts studierten Miklós Barabás, Károly Schmidt, Bertalan Székely, Viktor Madarász, Mihály Minkácsy, Frigyes Schulek, László Paál, Alajos Stróbl, Árpád Feszty, János Fadrusz an der Akademie der bildenden Künste.

Nach dem Ausgleich (1867), der Ungarn innerhalb der Monarchie einen größeren Freiraum gewährte, lebte einer der begabtesten ungarischen Journalisten, der frühere Vertraute István Széchenyis, Miksa Falk in Wien. Er lehrte u.a. der Kaiserin Elisabeth Ungarisch. Karl Goldmark spielte als Freund von Brahms im Musikleben der Kaiserstadt ebenfalls eine wichtige Rolle. Die erste ungarische Dampfmaschine von Ányos Jedlik und die später zu Berühmtheit gelangte Keramik von Zsolnay wurden auf der Weltausstellung in Wien 1873 präsentiert. Am Ende des Jahrhunderts entstand "ein ungarischer Kreis", bestehend aus Historikern und Künstlern, um den berühmten Balkan-Experten, den Berater von Kaiser Franz Joseph, Lajos Thallóczy.

Das Ungartum in Wien bestand aus Studenten, Beamten, Künstlern, Meistern, dann ab Mitte des 19. Jahrhunderts in einer immer größeren Zahl aus Arbeitern. Sein Anteil an der Bevölkerung der Kaiserstadt war immer bedeutend. Bis am Anfang des 19. Jahrhunderts waren nach den "Slawen" die Ungarn die zweitgrößte fremdsprachige Gruppe in Wien, ihre Zahl betrug um 1840 ca. 15.000. Am Ende des 19. Jahrhunderts hatte Wien bereits 30-40.000 ungarisch-sprachige Einwohner. Während der Volkszählung von 1910 wurden 139.000 ungarische Staatsbürger in Wien gezählt, deren Mehrheit aber nicht Ungarisch als Muttersprache hatte, da sie einer der Minderheiten in Ungarn angehörte.

Nach dem I. Weltkrieg verlor Wien auch für die Ungarn viel von seiner früheren politischen Bedeutung. Seine Rolle war aber insofern wichtig, als daß es die ungarischen Emigranten aufnahm, bzw. ihnen freien Weg in andere Länder gewährte. 1919 fanden die vor der Räterepublik fliehenden "weißen", nach derer Sturz die "roten" und nach dem II. Weltkrieg - die in drei größeren Wellen, 1945, 1948 und 1956 ankommenden - ungarischen Flüchtlinge Zuflucht in Wien. Die Mehrheit der Flüchtlinge von 1956 ließ sich - über Wien - in anderen Ländern nieder. Wien zählte 1981 kaum mehr als 8.000, 1991 aber schon 13.500 Einwohner mit Ungarisch als Muttersprache. An dieser Zunahme spielten auch die ungarischen Flüchtlinge aus den Nachbarstaaten - vor allem aus dem zu Rumänien gehörenden Siebenbürgen und der jugoslawischen Woiwodina - eine Rolle.

Nach 1918 gab es zwischen Wien und dem Ungartum politische Gegnsätze verschiedener Art. Erst jene zwischen dem "roten Wien" und dem "weißen Ungarn", dann die zwischen dem "nationalsozialistischen Wien" und dem "sich zögernd anschließenden Ungarn" nach dem Anschluß Österreichs an das Deutsche Reich 1938. Nach dem Zweiten Weltkrieg taten sich neue Gegensätze auf: die zwischen der österreichischen Hauptstadt unter der Besatzung der vier Großmächte nach 1945 und dem Ungarn unter der kommunistischen Herrschaft ab 1948, dann die zwischen dem unabhängigen und neutralen Österreich und dem zur sowjetischen Machtsphäre gehörenden Ungarn nach der niedergeschlagenen Revolution (1956). Sie schienen unauflösbar zu sein. Trotz alledem fand - bis auf die Zeiten 1938-1945 und 1948-1955, sowie 1956-1970 - in politischer Hinsicht ein reger Gedankenaustausch statt.

Rückblickend auf die nahe Vergangenheit kann man sagen, daß sich die gut informierten Wiener bis zum heutigen Tag an die Jahre der K.u.K.-Zeit erinnern (Das bedeutete während der Monarchie: Kaiserlich und Königlich, in den 70-er und 80-er Jahren des Jahrhunderts: Kádár und Kreisky), welche die Beziehungen der beiden Länder normalisierten Eine echte Änderung trat aber erst nach der Wende in Ungarn (1989-1990) ein: seit dieser Zeit können und könnten nicht einmal Meinungsverschiedenheiten ideologischer Art die Beziehungen zwischen Wien und Budapest beeinträchtigen. Die wirtschaftlichen Beziehungen sind - von der Zeit des kalten Krieges abgesehen - von 1918 bis heute nach wie vor eng.

Wiens Anziehungskraft auf ungarische Geschichtsforscher nahm stark zu, da die Vielfalt der hier befindlichen, ab 1918 einfacher zugänglichen Quellen, die sich mit Ungarns Geschichte befassen, diese Historiker noch über Generationen hinweg beschäftigen kann. Das Institut für Ungarische Geschichtsforschung in Wien (1920) und das Collegium Hungaricum (1924), welches neben seinen wissenschaftlichen Agenden auch eine kulturelle Vermittlerrolle hat, wurden teils zur Forschung, teils zur Herausgabe und Aufarbeitung von Themen gegründet.
Die 26 Punkte unseres Spazierganges:
1. Stephansdom
2. Dreifaltigkeitssäule oder Pestsäule
3. Die Statue eines Wurmser-Husars
4. Palais Wilczek
5. Palais Esterházy
6. Palais Pálffy
7. Palais Batthyány-Schönborn
8. Palais Ferstel)
9. Palais Batthyány
10. Botschaft der Republik Ungarn in Österreich
11. Haus-, Hof- und Staatsarchiv
12. Bundeskanzleramt
13. Votivkirche
14. Palais Trautson
15. Maria-Theresia-Denkmal
16. Kunsthistorisches Museum
17. Österreichische Nationalbibliothek und die Hofjagd- und Rüstkammer
18. Weltliche und Geistliche Schatzkammer
19. Palais Pálffy
20. Palais Esterházy
21. Palais Nádasdy
22. Hofkammerarchiv
23. KKapuzinerkirche
24. Palais Erdődy-Fürstenberg
25. Alte Universität
26. Altes Rathaus

Punkt 1. Der Erkundungsgang beginnt wie alle echten Wiener Spaziergänge im Zentrum der Stadt, beim Stephansdom. Das Baumaterial des Domes wurde teils aus damals westungarischen (heute burgenländischen) Bergwerken in Breitenbrunn (Széleskút) und St. Margarethen (Szentmargitbánya) geliefert. Der Bau der spätgotischen, steilen, bis 1945 rot-weiß-grünen Dachkonstruktion des Domes soll von König Matthias Corvinus, der Wien belagerte und 1485 eroberte, angeordnet worden sein. Die Dachziegel stammen wahrscheinlich aus der Majolika-Werkstätte in Buda.
Viele sind der Meinung, daß das Haupttor des Domes, das Riesentor, von jenen Meistern geschaffen wurde, die auch an der Verzierung des Klosterkirchentors in Ják gearbeitet hatten.
Auf der Nordseite des Domes (links vom Haupttor) steht außen die um 1430 aus Stein gemeißelte Kanzel, von der aus Johannes Capistranus 1454 einen Kreuzzug gegen die Türken, die Ungarn bedrohten, verkündete. Die Kanzel kam erst Mitte des 18. Jahrhunderts auf ihren jetzigen Platz, bis dahin stand sie auf dem Friedhof um den Dom, dem Stephansfreitplatz. Die barocke Statuengruppe über der Kanzel - Capistranus versetzt mit der Fahne des Kreuzzuges in der Hand einem toten Türken Fußtritte - wurde 1737/38 von Johann Joseph Rössler nach den Entwürfen von Roettiers geschaffen.
Betritt man den Dom, ist rechts vom Haupttor das Altarbild von Máriapócs zu sehen, welches die Heilige Jungfrau Maria mit dem kleinen Jesus auf dem linken Arm darstellt. Das kleine Tafelbild ist ein Werk von István Papp aus dem Jahre 1676. Nachdem viele Gläubige Maria auf dem Bild 1696 in Máriapócs des öfteren weinen gesehen hatten, wurde es im darauffolgenden Jahr auf Wunsch von Kaiser Leopold I. nach Wien gebracht. Dort schmückte es ab Dezember 1697 den Altar des St. Stephansdomes, nachdem es in allen Wiener Kirchen aufgestellt worden war. Von dem Brand und dem Dacheinsturz am Ende des Zweiten Weltkrieges, welche den Dom in Schutt und Asche legten, blieb das Bild verschont, und es steht seit Dezember 1948 an seinem heutigen Platz.
Am Ende der anderen (Nord)seite des Domes befindet sich der Wiener Neustädter Altar aus dem Jahre 1447, welcher 1884 erworben wurde. Auf den Altarflügeln sind Szenen aus dem Leben Jesu Christi und der Heiligen Jungfrau Maria dargestellt. In der unteren Reihe der Außenseite des linken Flügels sind ungarische Heilige dargestellt: Hl. Stephan, Hl. Emmerich und Hl. Ladislaus sowie über ihnen die Heilige Elisabeth.
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Punkt 2. Wenn man vom St. Stephansdom in der belebten Fußgängerzone, am Graben - wo einst tatsächlich ein Graben war - entlangspaziert, erblickt man die Dreifaltigkeitssäule, die sogenannte Pestsäule. Während der Pestepidemie von 1679 hatte Kaiser Leopold I. gelobt, dieses Denkmal errichten zu lassen. Mit dem Bau der heute zu sehenden Säule wurde 1687 begonnen, und 5 Jahre später, 1692 wurden die Arbeiten beendet. Eingeweiht wurde sie 1693. Alle namhaften Künstler jener Zeit - wie Johann Fischer von Erlach d. Ä., Joseph Frühwirt, Paul Strudel, Matthias Rauchmüller, Tonias Kracker - arbeiteten am Denkmal, an dem in Augenhöhe auch das ungarische Wappen von Johann Adam Bosch dargestellt wurde.
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Punkt 3. Spaziert man am Graben weiter, lohnt ein Blick auch auf die Hausdächer, da an der Ecke Graben / Kohlmarkt in der Höhe ein Wurmser-Husar zu sehen ist. Die Neobarockstatue vom Ende des vergangenen Jahrhunderts ist das Werk von Rudolf Weyr. Sie wurde nach dem Inhaber des ungarischen, in den "Ländern der Heiligen Krone" zwischen 1775-1789 rekrutierten Husarenregiments, dem Grafen Dagobert von Wurmser, benannt.
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Punkt 4. Vom Kohlmarkt gelangt man zum Michaelerplatz, am Eingang der Hofburg biegt man nach rechts ab. Es lohnt sich, in der Herrengasse 5, beim 1737 erbauten Wilczek Palais stehenzubleiben. An der Fassade des Barockpalais wird man durch eine zweisprachige Marmortafel (ungarisch und deutsch) darauf aufmerksam gemacht, daß "hier am 21. September 1791 der große Staatsmann und Erneuerer Ungarns Stephan Graf Széchenyi geboren wurde". (Einigen Quellen nach wurde Széchenyi im kaiserlichen Schloß im Augarten geboren.) Das vermutlich von Anton Ospel entworfene Gebäude wurde 1788 vom Vater, Graf Franz Széchényi (er schrieb seinen Namen noch mit zwei é!) gemietet. Nach István Széchenyis Geburt verbrachte die Familie von 1811 bis 1815 noch vier Winter hier. Erst nachher zog sie in ihr Palais in der Landstraße.
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Punkt 5. Die nächste Station ist die zur Herrengasse parallell laufende Wallner Straße. Das Gebäude unter Hausnummer 4 befand sich von 1550 an im Besitz des Erlauer Bischofs und Kanzlers, Miklós Oláh; damals soll sich auch die ungarische königliche Kanzlei hier befunden haben. Heute ist es das Palais Esterházy, welches 1695 auf die Bestellung des ungarischen Palatins, Fürst Paul Esterházy anstelle der alten Häuser errichtet wurde. Im Palaishof erinnert eine Marmortafel daran, daß hier einst das Schloß des Markgrafen der Babenberger, Leopold III., des späteren Schutzpatrons Niederösterreichs, stand. Der Turm der 1699 eingeweihten Hauskapelle, in welcher auch der im Dienste der Esterházys stehende Josph Haydn zwischen 1761 und 1790 öfter musiziert hatte, wurde 1737 errichtet, die zweistöckige Fassade ist hingegen das Ergebnis der Umbauten im 18. und 19. Jahrhundert. Im Haarhof neben dem Palais befindet sich der bei Wienern und Touristen sehr beliebte Esterházy-Keller. Miklós Esterházy II. erhielt bereits 1808 vom Kaiser die Erlaubnis, in seinem Keller ungarischen Wein auszuschenken; derzeit werden im Keller vor allem Weine von den heutigen Esterházy-Besitzungen im (früher zu Ungarn gehörenden) Burgenland angeboten. Vom Keller des Palais führten Tunnels zum Donau-Ufer und zur Hofburg (die Spuren der zugemauerten Gänge sind auch noch heute sichtbar).
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Punkt 6. Gleich in der Nachbarschaft (Wallner Straße 6) erhebt sich das an seiner Fassade mit Reliefs verzierte Empirepalais einer anderen ungarischen Aristokratenfamilie, das der Grafen Pálffy. Von dort führt unser Weg durch die Strauchgasse zur Freyung und zur Renngasse.
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Punkt 7. Das Palais Batthyány-Schönborn in der Renngasse 4 fällt durch seine schöne Fassade gleich auf. Vom berühmtesten und bedeutendsten Vertreter der österreichischen barocken Baukunst, Johann Bernhard Fischer von Erlach d. Ä., dessen Name in dieser kurzen Broschüre öfter erwähnt wird, wurde das zwischen 1699 und 1706 errichtete Palais für den mit ihm befreundeten Grafen Ádám Batthyány entworfen. Das Palais wurde von seiner Witwe, Gräfin Eleonora, an die Familie Graf Schönborn verkauft, die 1846 Änderungen an der Fassade vornehmen ließ. Auch der Hof ist eines Blickes wert: Die Verzierung der Innenfassaden ist manchenorts ausgesprochen humorvoll.
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Punkt 8. Durch das Palais Ferstel an der Freyung führt eine Passage mit einem Cafe und Geschäftslokalen in die Herrengasse. Das Gebäude befand sich einst im Besitz der Österreichischen Nationalbank, später ab ihrer Gründung 1878 in dem der Österreichisch-Ungarischen Bank. Das Gebäude wurde nach seinem Baumeister Heinrich von Ferstel benannt, von dem es zwischen 1856 und 1860 der romantisch-historisierenden Anschauung der Zeit entsprechend im romanischen Stil und im Stil der Frührenaissaince errichtet wurde. Auch der 1861 im Innenhof aufgestellte Brunnen ist sein Werk, dessen Bronzefiguren aber von Anton Dominik Fernkorn geschaffen wurden. Die 12 Statuen an der Fassade von der Ecke Herrengasse/Strauchgasse, die die Völker und Nationalitäten der Monarchie symbolisieren, sind ein Werk von Hans Gasser. Hier befindet sich der Eingang des Cafes Central, des berühmtesten literarischen und künstlerischen Kaffehauses der Jahrhundertwende. Trotz des komplizierten Grundrisses ist die Gesamtwirkung des Palais mit gut geplanter Raumeinteilung harmonisch.
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Punkt 9. Gelangt man in die nach der Österreichisch-Ungarischen Bank benannten Bankgasse, erblickt man zur rechten das aus drei alten Häusern zusammengebaute Barockpalais Batthyány, welches einfacher konzipirt ist als jenes in der Renngasse (siehe Punkt 7). Die drei Gebäude wurden von der berühmten Schönheit der Zeit - der Tochter des Kanzlers von Kaiser Leopold I., Theodor Strattmans und der Witwe des Grafen Ádám Batthyány - Gräfin Eleonóra Batthyány 1718 erstanden. Die Familie führt seit 1755 den Namen Batthyány-Strattman, seit 1764 den Titel Reichsfürst. Die Fassaden der früher getrennt stehenden Häuser wurden bis 1720 unter der Leitung von Christian Oettel nach Fischer von Erlach d. Ä. zu einer Einheit zusammengefügt, die Seite von der Herrengasse wurde 1766 angepaßt.
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Punkt 10. Auf derselben Seite der Bankgasse befindet sich das Gebäude mit den Hausnummern 4 und 6 noch immer in ungarischem Staatseigentum: Es beherbergt die Botschaft der Republik Ungarn in Österreich. Laut Kunsthistorikern und Diplomaten ist sie eine der schönsten Außenvertretungen Wiens. Es entwickelte sich allmählich zu einem Palais: Im Mittelalter standen mehrere Häuser an seiner Stelle. Das Gebäude mit der Hausnummer 6 wurde zwischen 1692 und 1694 nach den Plänen von Fischer von Erlach d. Ä. erbaut. 1747 wurde es von Kanzler Leopold Grafen Nádasdy - aus den von den Komitate und den königlichen Freistädten gesammelten Geldern - für die königliche ungarische Hofkanzlei erstanden. Sein Nachfolger, Fürst Franz Esterházy (ab 1762 Kanzler) ließ das Palais in den Jahren 1766-1767 unter Verwendung bereits damals sagenhafter Gelder, mit tatkräftiger Unterstützung von Kaiserin Maria Theresia, nach den Vorstellungen des Hofarchitekten Niccolo Pacassi völlig umgestalten. Die Säle und die Zimmer wurden reich mit vergoldeten Möbeln, Stukkaturen und Gobelins ausgestattet. Die Ratsstube im ersten Stock, welche auch derzeit das Arbeitszimmer des ungarischen Botschafters ist, wurde ebenfalls zu dieser Zeit errichtet.
An der Decke ist ein zwischen 1766 und 1769 gemaltes Fresko von Franz Anton Maulbertsch über die erste Verleihung des Sankt-Stephan-Ordens zu sehen. Auf dem Wandgemälde wird dem Palatin Ludwig Graf Battyhány von Maria Theresia das Großkreuz des einzigen Ordens ungarischer Gründung - außer dem Drachenorden des Königs Sigismund - in Anwesenheit des Kanzlers Franz Esterházy und Karl Friedrich Graf von Hatzfeld, des Präsidenten der Hofkammer verliehen. Neben Batthány und dem Kanzler Esterházy waren Franz Graf Barkóczy, der Erzbischof von Gran, und der spätere Josef II. die ersten Ordensträger. Der Sankt-Stephan-Orden war neben dem Maria-Theresien-Orden die bedeutendste Auszeichnung des Habsburger Reiches. - Hier wurde einst auch jene Sitzbank aufbewahrt, auf welcher Maria Theresia bei ihrem ersten Besuch im Palais ein Glas Wasser trank. Nach den Umbauten wurden 1768 die sechs Gemälde von der Krönung Maria Theresias 1741 in Preßburg im Audienzzimmer des Kanzlers (heute der sogenannte Preßburger Saal) untergebracht. Die von der Königin in Auftrag gegebenen Gemälde sind Werke von Franz Meßmer und Wenzel Pohl.
Unter den oft wechselnden Besitzern des Gebäudes mit der Hausnummer 4 der Bankgasse befindet sich Miklós Jurisich, der heldenhafte Verteidiger der Burg von Kőszeg. 1673 ging das Grundstück in den Besitz der Familie Trautson über. Sie ließ hier nach 1676 ein neues Palais erbauen, welches 1783 die frühere siebenbürgische Hofkanzlei erhielt. Auf eine Verordnung des Kaisers Joseph II. hin wurden die ungarische und die siebenbürgische Hofkanzlei bereits 1782 zusammengelegt, wobei man auch eine Angleichung der Fassaden der bisher getrennt stehenden Gebäude zu erreichen versuchte. Darum wurden die zwei Gebäude zwischen 1783 und 1784 unter der Leitung des Hofarchitekten Franz Anton Hillebrand auf die gleiche Ebene verlegt. Unmittelbar vor seinem Tod zog Joseph II. die Verordnung zur Union von Königreich Ungarn und Siebenbürgen - wie fast alle seiner Reformen - zurück, wodurch die Kanzlei wieder getrennt wurde.
Im Frühjahr 1848 wurde das Palais mit der Ernennung der ersten ungarischen verantwortlichen Regierung Sitz des Ministeriums am allerhöchsten Hoflager. Nach der Niederschlagung der zweiten Wiener Revolution im Oktober 1848 wurden hier ab November verschiedene österreichische Ämter untergebracht, auch ein Großteil der Ausstattung kam abhanden. Ab 1860 beherbergte das Palais erneut die Kanzleien, dann ab dem Ausgleich (1867) wieder das Ministerium am allerhöchsten Hoflager. Letzteres Regierungsorgan vermittelte zwischen den ungarischen königlichen und österreichischen kaiserlichen Behörden, befaßte sich mit Paß- und Rechtsangelegenheiten zwischen den zwei Ländern, nahm Aufgaben bezüglich des Königreichs Ungarn im Zusammenhang mit den Hoheitrechten des Herrschers (Ernennungen, Rangverleihungen, Begnadigungen) wahr. Die Delegationen von jeweils 60 Mitgliedern des ungarischen und des österreichischen Parlaments, die zur Verabschiedung des Budgets der gemeinsamen Ministerien (Kriegsministerium, Reichsfinanzministerium, Außenamt) gebildet wurden, hielten ihre Wiener Sitzungen hier ab. (Die Delegationen trafen sich abwechselnd in Budapest und Wien.)
Ab November 1918 befand sich auch der Sitz der ersten Gesandtschaft des unabhängigen Ungarns in diesem Gebäude. Nach der Besetzung Österreichs durch Deutschland (März 1938) waren hier das Generalkonsulat, ab 1945 ungarische Außenvertretungen mit verschiedener Benennung, dann ab 1955, seit Österreichs Unabhängigkeit, wieder die ungarische Gesandtschaft und seit 1964 die Ungarische Botschaft untergebracht. 1944 wurde das Gebäude stark beschädigt. Auch das berühmte Fresko von Maulbertsch wurde in Mitleidenschaft gezogen. Die mit den Deutschen geflohenen Pfeilkreuzler nahmen den Großteil der wertvollen Einrichtungsstücke im Stil des Rokoko und des Klassizismus mit. Die 1978 begonnene umfassende Sanierung des Gebäudes wird im Sommer 1997 beendet.
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Punkt 11. Auf dem benachbarten Minoritenplatz befindet sich die für ungarische Forscher wichtigste Abteilung des Österreichischen Staatsarchivs, das Haus-, Hof- und Staatsarchiv, in dem vor allem die auswärtigen Akten der Monarchie aufbewahrt werden. Das von Maria Theresia gegründete Archiv bezog Anfang des Jahrhunderts dieses ausgesprochen für diese Zwecke errichtete Gebäude. Ca. 250.000 Archiveinheiten - davon 80.000 Diplome, Verträge und ca. 3.000 Manuskripte - werden im Archiv aufbewahrt (dies bedeutet mehrere Millionen Seiten), in dem Unterlagen von 816 bis zum Zusammenbruch der Monarchie zu finden sind. Der Wert dieser Sammlung ist unermeßlich aus der Sicht der ungarischen Geschichtsforschung. Da die Zentralbehörden des Reichs und die gemeinsamen Ministerien der Monarchie in der Kaiserstadt untergebracht waren, ist der Großteil der historischen Quellen mit Bezug Ungarn von der Schlacht bei Mohács 1526 an bis 1918 in den Wiener Archiven zu finden: in erster Linie im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, im Kriegsarchiv (der Sitz des Kriegsarchivs ist im Zentralgebäude des Staatsarchivs: 1030 Wien, Nottendorfer Gasse 2) und im Hofkammerarchiv (siehe Punkt 22).
Obwohl die ungarische Regierung gleich nach der Auflösung der Monarchie ihren Miteigentümer-Anspruch auf die einstigen "gemeinsamen Archive" kundtat, boten nicht einmal die Friedensverträge in der Frage ihrer Trennung eindeutige Lösungen. Schließlich wurde im Mai 1926 nach langwierigen Verhandlungen das geheime - bis heute gültige - Badener Abkommen über die Archive unterzeichnet, welches unter den internationalen Abkommen einzigartig ist.
Darin wurde folgendes festgelegt: 1. Die Akten, die während der Tätigkeit der Organe der zentralen Staatsverwaltung zumindest teilweise mit Wirkungskreis Ungarn zwischen 1526 und 1918 entstanden, wurden zum gemeinsamen geistigen Eigentum der beiden Staaten erklärt; 2. Ungarn erhielt die Unterlagen ausschließlich ungarischer Herkunft, die als reines ungarisches geistiges Eigentum zu betrachten sind, zurück; 3. die Institution der Archivdelegation wurde konsolidiert. Aufgrund dessen arbeiten auch heute Archivdelegierte aus Ungarn - mit ihren österreichischen Kollegen gleichberechtigt - im Haus-, Hof- und Staatsarchiv, Hofkammerarchiv und Kriegsarchiv. In dieser Hinsicht besteht die Monarchie weiter, da die Akten in diesen Archiven auch heutzutage ein "gemeinsames geistiges Eigentum von Österreich und Ungarn" darstellen.
Das Haus-, Hof- und Staatsarchiv hatte einst auch einen ungarischen Direktor: Árpád Károlyi, einer der berühmtesten ungarischen Historiker jener Zeit, der insgesamt über 36 Jahre im Archiv arbeitete, leitete zwischen 1907 und 1913 das Institut. Zu dieser Zeit kam auch der junge Gyula Szekfű (später ein sehr bedeutender Historiker) zum Archiv. Károlyi spielte nach der Auflösung der Monarchie - als reaktivierter Pensionist - eine wichtige Rolle in der Vorbereitung des Badener Abkommens und in der Gründung des Wiener Institutes für Ungarische Geschichtsforschung (siehe Punkt 14).
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Punkt 12. In demselben Gebäudekomplex wie das Staatsarchiv befindet sich das Bundeskanzleramt. Das Barockpalais wurde ursprünglich für die Zwecke der Geheimen Hofkanzlei, nach den Plänen von Johann Lucas von Hildebrandt errichtet (1717-1719). Fünfzig Jahre später wurde es unter der Leitung von Niccolo Pacassi (dessen Namen schon früher erwähnt wurde, siehe Punkt 10.) umgebaut (1766). Schon damals fungierte es als Sitz der Staatskanzlei, später als der des Außenministeriums, und seit 1918 ist es Sitz der Kanzlei, d.h. der Bundeskanzler.
1814-1815 fand hier eines der am größten angelegten und am längsten währenden diplomatischen Treffen aller Zeiten statt, der Wiener Kongreß, an dem sechs Herrscher - der österreichische Kaiser, der russische Zar, der preußische, der dänische, der bayerische und der württembergische König -, und 65 Staaten vertreten waren. Die Wiener schenkten schon damals ihre Aufmerksamkeit lieber den Affären um den Kongreß, den Skandalen und Gerüchten als den Geschehnissen der Großpolitik... Die Stadt selbst hatte dem fast ein Jahr lang währenden Kongreß auch in wirtschaftlicher und kultureller Hinsicht sehr viel zu verdanken.
Nach 1867 war der "Ballhausplatz" das Amt der gemeinsamen Außenminister der Monrchie. Im Sinne des Ausgleichs wurden die Kriegs-, Finanz- und auswärtigen Angelegenheiten der Österreichisch-Ungarischen Monarchie von "gemeinsamen" Ministerien geleitet: In sonstigen Angelegenheiten waren die zwei Hälften der Monarchie vollkommen unabhängig voneinander. Die auswärtigen Angelegenheiten der Monarchie wurden in den 70-er Jahren des vergangenen Jahrhunderts über acht Jahre vom begabtesten und erfolgreichsten ungarischen Diplomaten, dem Grafen Gyula Andrássy, geführt. Außer ihm waren noch Gusztáv Graf Kálnoky und Baron István Burián gemeinsame Außenminister ungarischer Abstammung. - Im Juli 1934 wurde Kanzler Engelbert Dolfuß in seinem hiesigen Arbeitszimmer von den österreichischen Nationalsozialisten ermordet.
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Punkt 13. Vom Ballhausplatz gelangt man am Burgtheater und Rathaus, am heutigen Gebäude der Universität vorbei, zur Votivkirche. Unweit von hier versuchte 1853 ein 21 jähriger Schneiderlehrling von Csákvár, János Libényi, auf Kaiser Franz Joseph ein Attentat zu verüben. Das Attentat ist fehlgeschlagen, Libényi wurde acht Tage darauf erhängt. Zum Andenken an den glücklichen Ausgang initierte der Bruder des Herrschers Erzherzog Maximilian, der spätere unglückliche Kaiser Mexikos, den Bau einer Gedenkkirche. Die ganze Bevölkerung der Monarchie wurde zu Spenden aufgerufen. Obwohl ein stolzer Betrag gesammelt werden konnte (ein ungarischer Großgrundbesitzer spendete z.B. 1500 Joch Land zu diesem Zweck!), wäre nicht einmal das Doppelte ausreichend gewesen, um die Kirche in ihrer heutigen Form zu errichten. Das fehlende Geld wurde von großzügigen Körperschaften beigesteuert.
23 Jahre nach der Grundsteinlegung, 1879, wurde die den französischen gotischen Domen nachgebaute Votivkirche eingeweiht, welche von Touristen, die das erste Mal in Wien weilen, des öfteren mit dem Stephansdom verwechselt wird. Wahrscheinlich wegen ihrer proportionalen und graziösen Formen, trotz ihrer monumentalen Maße. Der Planer der Votivkirche war ein damals noch ziemlich junger, erst 27 jähriger österreichischer Architekt, Heinrich Ferstel (siehe Punkt 8). Auch die kleinsten Details wurden seinen Vorstellungen nach ausgearbeitet, die Kirche entspricht in ihrem Äußeren, in ihren inneren Verzierungen, sogar in ihrem Umfeld ganz seinen Planungen.
Zur rechten des Hauttors sind unter den Heiligenstatuen der Österreichisch-Ungarischen Monarchie auch die Gestalt von Hl. Stephan (gleich rechts vom Dachbogen des Haupttors) und die von Hl. Ladislaus (die siebte, Schlußstatue von Hl. Stephan) zu sehen. In der Kirche kann man rechts vom Hauptaltar, neben dem wertvollsten Schatz der Votivkirche, dem Antwerpener Altar, auf dem Wandpfeiler die Statue der Hl. Elisabeth bewundern. An den zum Großteil nach dem Zweiten Weltkrieg gemalten Glasfenstern (die meisten der alten wurden während der Bombenangriffe 1944/45 vernichtet) sind auch ungarnbezogene Szenen abgebildet: Am zweiten Fenster des rechten Seitenschiffes wird die Geschichte des Madonna-Bildes von Máriapócs dargestellt, am dritten ist Lajos Nagy, der ungarische König, in der Nähe des Kanzlers Dollfuß, zwischen Mariazeller Pilgern, mit einem ungarischen Wappenschild in der Hand zu sehen.
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Punkt 14. Über die Universitätsstraße und die Landesgerichtsstraße hinter dem Rathaus sowie die Auersperg Straße gelangt man zu einem der bedeutendsten Denkmäler Wiens mit ungarischer Vergangenheit, zum Palais Trautson (früherer Name: Leibgardepalais), zum heutigen Sitz des österreichischen Bundesministeriums für Justiz. Das Gebäude wird von Kunsthistorikern für eines der ausgereiftesten und schönsten Werke des berühmtesten österreichischen Barockarchitekten, Fischer von Erlach d. Ä., gehalten. Darum kommt es nicht von ungefähr, daß die Ausarbeitung der Fassade und der Vorhalle noch sehr lange als Vorbild für die Architekten der Stadtpalais diente. Es wurde zwischen 1710 und 1712 für die Fürsten Trautson errichtet. 1760 wurde es der Sitz der von Maria Theresia in demselben Jahr gegründeten ungarischen königlichen adeligen Leibgarde ("Garde"), und mit einer kleinen Unterbrechung zwischen 1848 und dem Ausgleich blieb er es auch bis zum Zusammenbruch der Monarchie. Unter den ersten Leibgardisten befanden sich die ungarischen Vorreiter der Aufklärung, die Leibgardenschriftsteller, die vom Geiste Wiens geprägt wurden und während ihres (nicht besonders schweren) Dienstes in Wien mit dem europäischen Horizont in Berührung kamen: Ábrahám Barcsay, Báróczy Sándor und der hervorragendste, György Bessenyei. Später wohnten Sándor Kisfaludy, Artúr Görgei und György Klapka hier.
Nach der Auflösung der Leibgarde diente das Palais als Sitz ungarischer Ämter, welche sich mit der Aufteilung der gemeinsamen Güter der Österreichisch-Ungarischen Monarchie befaßten. Daneben gewährte es ungarischen Staatsstipendiaten auch Unterkunft. Die ersten zwei Stipendiaten zogen im Oktober 1920 in das im selben Jahr gegründete Wiener Institut für Ungarische Geschichtsforschung. Im Herbst 1924 wurde - ebenfalls im Gardepalais - das Collegium Hungaricum eröffnet, in dem außer Historikern Stipendiaten von allen wissenschaftlichen Bereichen vertreten waren. Beide Institutionen arbeiteten bis 1948 im Palais Trautson.
In der Zeit zwischen den zwei Weltkriegen waren die hervorragendsten ungarischen Wissenschafter, die Vertreter der sich formierenden, und später sich auch dazu entwickelnden "Akademikerelite" Staatsstipendiaten und Gäste der zwei Institute. Rund 500 Personen erhielten Stipendien für die beiden Institute. Die Stipendiaten kamen für 3-6 Monate oder eher 1-2 Jahre nach Wien. Viele Hunderte - vor allem erfahrenere Forscher und Universitäts- bzw- Hochschulprofessoren - wohnten für kürzere Forschungen als "Gäste" im Gardepalais.
Als junge Talente verweilten hier längere Zeit der weltberühmte Experte des Altertums, András Alföldi, mehrere namhafte Kunsthistoriker, wie Jolán Balogh, Julius Fleischer (Privatprofessor der Universität Wien), István Genthon und Anna Zádor, zahlreiche auch im deutschen Sprachgebiet bekannte Historiker wir Kálmán Benda, József Deér, Sándor Domanovszky, István Hajnal, Dénes Jánossy (der ungarische Mitarbeiter des Haus-, Hof- und Staatsarchivs), Domokos Kosáry (der Präsident a.D. der Ungarischen Akademie der Wissenschaften) und Elemér Mályusz; hier hielten sich der große politische Denker, István Bibó, und sein leider in Vergessenheit geratener Lehrer, der Rechtphilosoph Barna Horváth; der namhafte Schriftsteller, Literaturhistoriker und Ex-Kultusminister, Dezső Keresztury; der beste Kenner der deutschen Dialekte und der Sprachentwicklung in Ungarn, Károly Mollay, auf.
Die Überzahl der Geisteswissenschafter ist dadurch begründet, daß die Germanisten hier am billigsten im deutschen Sprachraum (weiter)gebildet werden konnten, und daß bis heute sich die Hälfte (vielleicht nicht von der Quantität, aber vom Wert her) jener Quellen, die sich auf die letzten 400 Jahre der ungarische Geschichte beziehen, hier in Wien befindet. "Letztendlich können wir nicht an der Tatsache rütteln, daß die wichtigsten archivarischen und sogar künstlerischen Dokumente unserer 400jährigen Vergangenheit in Wiener Archiven, in der Wiener Nationalbibliothek und sogar teilweise in großen Wiener Museen aufbewahrt werden und daß Hunderte ungarischer Wissenschafter und Künstler in Wien ihre Studien vervollkommneten. Wenn die Verbindung zu Wien abreißt, dann reißt auch unsere Verbindung zu unserer Vergangenheit ab." - erklärte 1946 der damalige Direktor des Collegium Hungaricum und des Instituts für Ungarische Geschichtsforschung, Gyula Miskolczy.
Die Direktoren des Wiener Instituts für Ungarische Geschichtsforschung (die gleichzeitig auch Leiter des Collegium Hungaricum waren) waren in mehrerer Hinsicht an Wien und Österreich gebunden. Árpád Károlyi (Direktor von 1920 bis 1928) war Direktor des Haus-, Hof- und Staatsarchivs (siehe Punkt 11), Ferenz Eckhart (1928-1929) war Mitarbeiter des Hofkammerarchivs, Dávid Angyal (1929-1935) war der Lehrer für ungarische Geschichte von Otto Habsburg, Gyula Miskolczy (1935-1948) war Mitarbeiter des Hofkammerarchivs, später ungarischer Delegierter des Haus-, Hof- und Staatsarchivs und Gastprofessor der Universität Wien (siehe Punkt 22). Der einzige selbständige Direktor des Collegium Hungaricum, Antal Lábán (1924-1933) unterrichtete ungarische Literaturgeschichte am Theresianum, dann als Privatlehrer an der Universität Wien.
Infolge der kommunistischen Machtübernahme in Ungarn und des kalten Krieges, welches die Ost-West-Beziehungen kennzeichnete, wurde die Tätigkeit der ungarischen kulturell-wissenschaftlichen Institute ab 1949 wenn auch nicht rechtlich, aber doch in der Praxis eingestellt. 1961 wurde auch das Gardepalais, unbeachtet seiner materiellen und ideellen Werte, seiner ungarischen Vergangenheit und kulturhistorischen Bedeutung vom ungarischen Staat verkauft. Das Gebäude wurde vom heutigen Besitzer, dem Bundesministerium für Justiz am Ende der 60er Jahre umgestaltet. Sein Äußeres wurde in der früheren Form bewahrt, aber im Inneren wurden anstelle der barocken Zimmer moderne Büros angelegt. Nur das berühmte Hauptstiegenhaus, der große Festsaal mit Portraits ungarischer Gardisten, der kleine Festsaal und die Sala terrena, welche früher den Ausgang in den Garten ermöglichte, wurden in ihrer ursprünglichen Form belassen. Neben dem Palais wurde von der Seite Lerchenfelder Straße im März 1997 die vom ungarischen Ministerium für Bildung und Unterricht gestiftete Büste von György Bessenyei, ein Werk des Bildhauers Tamás Fekete, enthüllt.
Das Collegium Hungaricum übersiedelte 1963 in sein heutiges Gebäude (1020, Hollandstraße 4). Seine Aufgaben änderten sich im Vergleich zu früher wesentlich: es ist nicht mehr nur eine wissenschaftliche Werkstätte, sondern auch Kulturinstitut. Das Collegium betreut seit seiner Neugestaltung postgraduierte staatliche Stipendiaten. Die meisten von ihnen sind auch weiterhin Geistes- bzw. Sozialwissenschaftler. Das Collegium versucht, den mit einem anderen Stipendium in Wien weilenden ungarischen Forschern und ca. 500 Studenten ungarischer Staatsbürgerschaft mit Rat und Tat zur Seite zu stehen. Es spielt eine aktive Rolle in der Intensivierung der österreichisch-ungarischen kulturellen und wissenschaftlichen Beziehungen. Durch kulturelle Veranstaltungen - Ausstellungen, Filmvorführungen, Kinderprogramme, Konferenzen, wissenschaftliche Vorträge - und durch Abhaltung von Sprachkursen werden die traditionell guten Beziehungen zwischen den beiden Völkern weiter vertieft.
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Punkt 15. Einige Gehminuten vom Trautson Palais entfernt befindet sich das Maria-Theresien-Denkmal. An dem Statuenkoloß zwischen dem Kunsthistorischen und Naturhistorischen Museum arbeiteten von 1874 bis 1887 mehrere Meister. Maria Theresia wurde als Staatsreformerin und Monarchin in Gesellschaft ihrer besten Feldherren, Staatsmänner, ihrer zeitgenössischen Wissenschafter und Künstler dargestellt. In diesem Kreis befinden sich auch Ungarn. In der Nische zur Rechten der Monarchin steht Graf Haugwitz, hinter der Figur des Innenministers der Kaiserin befindet sich von links der erste Graf Anton Grassalkovich, Kammerpräsident (d.h. Verwalter der königlichen Finanzen), der in seinem berühmten Barockschloß in Gödöllő auch Maria Theresia zu Besuch empfing; neben ihm steht Baron Bruckenthal, Kanzler von Siebenbürgen. ( Er gründete eine der bis heute bedeutendsten öffentlichen Sammlungen der siebenbürgischen Sachsen in Hermannstadt und ein wissenschaftliches Institut, das Bruckenthal Museum und Bibliothek.) In der Nische unter der Lehne des Thrones nehmen zwei ungarische Ordensträger der höchsten Militärauszeichnungen der Monarchie, des 1757 gegründeten Maria-Theresien-Ordens (beiden wurde diese Ehre als erste zuteil) den Platz ein, und zwar Ferenc Nádasdy und András Hadik nebeneinander als erster und zweiter von links, hinter dem Fürsten von und zu Liechtenstein. Unter der linken Hand der Kaiserin ist - hinter der Statue des Leibarztes und wissenschaftlichen Ratgebers der Kaiserin, Gerard van Swieten - in der Nische als zweiter von links György Pray, der größte Vertreter der ungarischen Geschichtswissenschaft, und Gründer der ungarischen auf Quellenkritik basierenden Geschichtsschreibung zu sehen. Pray wurde von Maria Theresia mit dem Titel "historiographus regius", d.h. "königlicher Geschichstschreiber" ausgezeichnet. In dem nach ihm benannten Kodex entdeckte er das älteste ungarische Sprachdenkmal, die "Grabrede" (Halotti beszéd).
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Punkt 16. An der Decke im Stiegenhaus eines der reichsten Museen Europas, des 1891 eröffneten, im Stile der italienischen Renaissance errichteten Kunsthistorischen Museums ist das 10 x 10 m große Fresco von Mihály Munkácsy, " Die Apotheose der Kunst", eines der berühmtesten Werke des Künstlers zu sehen. Munkácsy verbrachte bereits in der ersten Hälfte von 1865 mehr als ein halbes Jahr als Hörer der Akademie für Bildende Künste in Wien. Das Zinshaus, in dem er abstieg (1080 Wien, Wickenburggasse 7), besteht in derselben Form wie damals. Das Wandgemälde im Kunsthistorischen Museum malte er in mehrjähriger Arbeit bereits als gefeierter Meister, im Auftrag des Herrscherhauses.In der Mitte des 1889 vollendeten Gemäldes steht der korrigierende Tizian, und rechts im Vordergrund Michelangelo. Im Hintergrund verewigte Munkácsy auch sich selbst.
Das Museum wurde für die kaiserlichen Sammlungen, die sich vorher an verschiedenen Orten befunden hatten und zusammengelegt wurden, neu errichtet. Es werden hier Kunstwerke von außerordentlichem Wert aufbewahrt, darunter auch Werke mit Bezug auf Ungarn. (Und dies, obwohl im Sinne des zwischen Österreich und Ungarn 1932 unterzeichneten Vertrages über die Neuregelung des Museums- und Bibliothekbestandes zahlreiche ungarische oder in Ungarn gefundene Kunstgegenstände aus dem Kunsthistorischen Museum, der Nationalbibliothek (siehe Punkt 17) und der Schatzkammer (siehe Punkt 18) nach Ungarn überstellt wurden.) In der Antikensammlung kann man den aus 23 Goldgegenständen bestehenden Schatz von Nagyszentmiklós bewundern, der am Ende des 18. Jh. gefunden und nach Wien gebracht wurde, genauso, wie der Schatz von Szilágysomlyó. Über die Herkunft des Schatzes von Nagyszentmiklós sind sich Kunsthistoriker und Archäologen bis heute nicht einig. Die meisten der ungarischen Wissenschaftler vertreten aber die Meinung, daß diese Meisterwerke der Goldschmiedekunst vom Ende des 9. Jahrhunderts, vielleicht von der Wende vom 9. zum 10. Jahrhundert, ungarischer Herkunft sind. Der Schatz von Szilágysomlyó gehörte wahrscheinlich einer vornehmen germanischen Familie aus dem 4. Jh. In der Kunstkammer ist die Büste der ungarischen Königin Maria (Mitte des 16. Jh-s) und das Marmorrelief von König Matthias Corvinus (wahrscheinlich 1490, vor Matthias' Tod) zu sehen. (siehe Punkt 17 und 18).
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Punkt 17. Vom Kunsthistorischen Museum führt unser Spaziergang über den Ring zum Heldenplatz. Hier befindet sich der Haupteingang zur Österreichischen Nationalbibliothek und zur Hofjagd- und Rüstkammer des Kunsthistorischen Museums. Diese Kammer ist in ihrer Art die umfangreichste auf der Welt. Hier sind auch zahlreiche Kunstgegenstände mit Bezug Ungarn ausgestellt: Vom Schwert des Matthias Corvinus angefangen über die Rüstung König Ludwigs, ungarische Husarenschwerte und -uniformen, den Helm und den Säbel des Helden von Szigatvár, Miklós Zrínyi, das Paradeschild und den Helm des siebenbürgischen Fürsten, István Báthori bis zu den Gewehren des siebenbürgischen Fürsten Mihály Apafi II.
Die Nationalbibliothek besteht aus mehreren Einheiten: Im Flügel des Heldenplatzes, der im 20. Jh. errichtet wurde, wurden die Druckschriftensammlung und die Lesesäle sowie die Portraitsammlung und das Bildarchiv untergebracht. Auf der anderen Seite der Hofburg, am Josefsplatz beherbergt das wunderschöne Barockgebäude der einstigen Hofbibliothek, das von Fischer von Erlach d. Ä., später d. J. entworfen und 1735 vollendet wurde, das Globenmuseum, die Handschriften- und Inkunabelsammlung, die Kartensammlung, den sog. Augustiner-Lesesaal und den Prunksaal. Obwohl in der Bücher- und Druckschriftensammlung, in der Portraitsammlung und dem Bildarchiv sehr viele ungarische Unterlagen aufbewahrt werden, sind für uns eher die vom Josefplatz zugänglichen Sammlungen von größerer Bedeutung, vor allem die Handschriftensammlung, in der zahlreiche ungarische Handschriften zu finden sind.
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Punkt 18. Vom Heldenplatz gelangt man über die Burg bald zum Schweizertor, zum rot-gold-schwarzen Renaissancetor, auf dem die Herrschertitel von Ferdinand I. (1552) aufgezählt sind. Durch dieses Tor kommt man in den Schweizerhof, in den ältesten Teil des Palaiskomplexes der Burg. Hier befindet sich der Eingang der Ausstellungssäle der einstigen, seit dem Mittelalter nachweislich in den verschiedenen Räumlichkeiten der Burg aufbewahrten kaiserlichen Schatzkammer (heutiger Name: Weltliche und Geistliche Schatzkammer). In der weltlichen Sammlung werden das Heilige Römische Reich Deutscher Nation und das Habsburger Reich und dadurch - wenn auch in geringem Ausmaß - die Geschichte des ungarischen Königreichs durch die Ausstellung von Insignien, Auszeichnungen und Schätzen vorgestellt. Weiter sind zu sehen: die Uniform und die Stöcke der ungarischen königlichen Herolde, das Ornat des St.-Stephan-Ordens und in einem weiteren Saal sein Großkreuz. Als einen der wertvollsten Schätze birgt die Schatzkammer die mit Perlen und Edelsteinen geschmückte Krone des Fürsten István Bocskai. Diese wurde aus 2 kg purem Gold angefertigt. Sie ist eine sog. geschlossene Krone, ein Meisterwerk türkischer Goldschmiede, wahrscheinlich vom Ende des 16. Jh-s. Sie war eine Schenkung des türkischen Sultans Ahmed I., Bocskai ließ sich mit der Krone nicht krönen. Infolge des Wiener Friedens von 1606 zwischen dem Kaiser Rudolf II. und dem Fürsten von Siebenbürgen Bocskai mußte die Krone der kaiserlichen Schatzkammer übergeben werden. Seit dem Ersten Weltkrieg wurde - und wird auch noch heute - lange darüber diskutiert, wem die Krone tatsächlich zusteht, die nicht einmal im Sinne des Abkommens aus dem Jahre 1932 (siehe Punkt 16) nach Ungarn zurückkam. Sowohl Ungarn, das die Krone schon früher zurückverlangte, als auch Rumänien, das aufgrund des Territorialprinzips das gleiche tat, scheinen sich mit der Tatsache abgefunden zu haben, daß dieser einzigartige Schatz Eigentum der Schatzkammer ist.
Man kann in der Schatzkammer auch jene mit Rubin, Opal und Brillanten verzierten Schmuckstücke bewundern, die auf der Hochzeit von Thronfolger Rudolf und der Herzogin Stefanie als Geschenk der Stadt Budapest übergeben wurden. Hier ist auch jenes Schwert türkischer Herkunft ausgestellt, welches von Maria Theresia bei der Krönung in Preßburg getragen wurde (siehe Punkt 10). Viele vertreten die Meinung, daß das Schwert König Ludwigs des Großen aus purem Gold, das von der Form her ungarischen Säbeln aus der Zeit der Landnahme ähnelt, mit dem Schwert von Arpad - eventuell mit dem seines Vaters, Álmos - gleich ist und erst Mitte des 11. Jahrhunderts nach Deutschland kam. Von den geistlichen Schätzen lohnt es sich, die Geldtasche von St. Stephan, das mit dem ungarischen, dem Anjou- und dem polnischen Wappen geschmückte Kreuz von Ludwig dem Großen und die ungarischen Messekelche zu besichtigen.
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Punkt 19. Von der Schatzkammer kommt man durch das Schweizertor zum Reichskanzleitrakt, wo sich ein Hof befindet, der nach einer ungarischen Persönlichkeit, nach Grafen Karl Joseph, später Fürst Batthyány, benannt wurde. Batthyány war Feldmarschall, und dann Oberbefehlshaber. Er leitete die Erziehung von Joseph II. und Leopold II. Von der Hofburg gelangt man über das Michaeler Tor zum Michaelerplatz, wo die in der Mitte des Platzes freigelegten Mauerreste hervorragend die Art und Weise dokumentieren, wie das römische, das mittelalterliche und das neuzeitliche Wien übereinandergebaut wurde. Wenn man in die Augustiner Straße abbiegt, gelangt man zum Josefsplatz. Hinter derm Denkmal des Kaiser Joseph II. befindet sich der Eingang in den älteren Teil der Österreichischen Nationalbibliothek (siehe Punkt 17). In deren Handschriftensammlung werden auch zahlreiche ungarische Handschriften aufbewahrt. Unter ihnen befinden sich 32 Corvinen (Ende des 15. Jh-s Anfang des 16. Jh-s), ( Kodizes von Vitéz János), die zweibändige Csatári Bibel (um 1150), das vollständige Manuskript der 1957 gefundenen "Schönen Ungarischen Komödie" von Bálint Balassi und außerdem noch sehr viele andere Handschriften mit Bezug Ungarn. - In der Entwicklung der Handschriftensammlung und der gesamten Hofbibliothek spielte Johannes Sambucus, einer der hervorragendsten Polyhistoren des 16. Jahrhunderts, eine wichtige Rolle. Das erste Werk von Sambucus, welches er mit 16 Jahren schrieb, erschien in Wien und nach seiner langen europäischen Studienreise kehrte er auch hierher zurück. Er folgte dem Ruf Kaiser Ferdinands I., er wurde Dichter, Arzt und Geschichtsschreiber am Hof, später der Berater des römischen Königs Maximilian II. Er übergab seine Privatbibliothek, die über 3300 Bände verfügte und somit zu jener Zeit eine - vor allem an Manuskripten, unter anderem auch an Corvinen - erstaunlich umfangreiche Bibliothek war, gegen eine geringe Gegenleistung in kaiserlichen Besitz.
Die Verzierung des Prunksaales, eines der größten Bibliotheksäle in ganz Europa, und das 1730 von Daniel Gran gemalte Fresko unter der Kuppel sind besonders bewundernswert. Grans Gemälde stellt die Krönung von Kaiser Karl VI. (als ungarischer König Karl III.), des Vaters von Maria Theresia, und die von ihm geführten Streifzüge allegorisch dar. In der einen Ecke des Gemäldes halten zwei Engel eine Tafel mit der Aufschrift "D.M. (= Dis Manibus, d.h. den Göttern und Geistern) Matthias Corvinus", an der ein Brustbild des Königs Matthias zu sehen ist.
Am Josefsplatz befindet sich - vor dem Denkmal des Kaisers - das 1575 gebaute Palais der Grafen Pálffy, es kam 1684 in ihren Besitz. Hier soll angeblich Mozart im engen Kreis auch den "Figaro" das erste Mal vorgeführt haben; an dieses Ereignis soll der Figaro-Saal des Palais erinnern. Das Palais, das seine Renaissancefassade bis heute bewahrte, wurde 1875 umgebaut, und der zweite Stock wurde erst im Laufe der Restaurierungsarbeiten nach dem Weltkrieg errichtet.
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Punkt 20. In der Augustiner Straße spaziert man bis zur Oper, von hier geht man in der - neben dem Graben - am meisten frequentierten und elegantesten Fußgängerzone Wiens, der Kärtnerstraße weiter. Die Gäste, die ihr Glück im Casino (Nr. 41) versuchen, sind sich vielleicht dessen gar nicht bewußt, daß sich das Palais, in dem das Spielcasino untergebracht ist, seit 1871 bis heute im Besitz der Grafen Esterházy (nicht der fürstlichen Linie) befindet. Es wurde Mitte des 17. Jh-s erbaut, die derzeitige Fassade stammt aus dem Jahre 1785. Dies ist das einzige Gebäude mit Bezug auf Ungarn in Wien, das die späteren Änderungen und den Zweiten Weltkrieg unbeschädigt überstanden hat.
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Punkt 21. Eine der schönsten, auch während der Touristeninvasionen meist ruhigen, stillen Gassen ist die Annagasse. Im Haus auf (derzeit) Nummer 10 befand sich das Palais des Generals Maria Theresias, Franz Nádasdy. Nádasdy erwarb es 1775, hier starb er 1783. Das Palais wurde in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts abgerissen, an dessen Stelle wurde um 1825 das heutige Gebäude errichtet, welches von 1840 bis 1855 im Besitz der Batthyány war. Die Mutter Ludwig Batthánys soll in diesem Haus von der Hinrichtung ihres Sohnes im Oktober 1849 erfahren haben, und man erzählt sich, daß sie darauf Franz Joseph I. verfluchte. Viele sind der Meinung, daß der gewaltsame Tod des Thronfolgers Rudolf, der Königin Elisabeth und Franz Ferdinands diesem Fluch zuzuschreiben ist.
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Punkt 22. In der nächsten Seitengasse der Kärtnerstraße, in der Johannesgasse Nr. 6 befindet sich die eine Abteilung des Österreichischen Staatsarchivs, das Hofkammerarchiv, in dem in erster Linie das Schriftenmaterial über die Finanzen der Monarchie aufbewahrt wird (siehe Punkt 11). (Die andere Seite des Archivs befindet sich unter der Hausnummer 5 in der Annagasse.) Das Gebäude war ursprünglich das Haus eines österreichischen Adeligen, ab Ende des 15. Jh-s Kloster der Benediktiner Abtei von Kleinmariazell. Auf Verordnung von Joseph II. wurde das Kloster aufgelöst. Der Flügel von der Seite Johannesgasse wurde 1843-1846 vom Paul Sprenger für den Zweck des Kammerarchivs im Biedermeierstil umgestaltet. Es war das erste für ausgesprochene Archivzwecke eingerichtete Gebäude im österreichischen Teil der Monarchie.
Der Architekt erfüllte die ihm gegenüber gestellten Erwartungen ausgezeichnet, der beste Beweis dafür ist, daß das Archiv auch noch heute, 150 Jahre später, seine Funktion als ältestes, seit Mitte des 19. Jh-s ununterbrochen tätiges Archiv von Mitteleuropa vollkommen wahrnimmt. Der Dramaturg und Dichter Franz Grillparzer, der das Thema Banus Ban ähnlich wie Jozsef Katona aufarbeitete, war zwischen 1832 und 1856 Direktor des Archivs. Sein Zimmer sieht auch noch heute - als einziges, in seinem ursprünglichen Zustand belassenes Biedermeierzimmer in Wien - genauso wie Mitte des letzten Jahrhunderts aus.
Aus ungarischer Sicht ist das Hofkammerarchiv von besonderer Bedeutung: zahlreiche unaufgearbeitete Akten der Geschichte der ungarischen Wirtschaft, Kunst und Politik des 16-19. Jahrhunderts warten auf Forscher, obwohl die Aufarbeitung des Materials mit Bezug Ungarn schon Ende des vergangenen Jahrhunderts auch in diesem "gemeinsamen" Archiv begann. Das Archiv selbst stand unter der Aufsicht der gemeinsamen Finanzminister - unter anderem unter der von Grafen Menyhért Lónyay, József Szlávy, über 20 Jahre hindurch von Benjamin Kállay und 10 Jahre lang von István Burián (siehe Punkt 12). Der Historiker Sándor Takáts, der in einem interessanten Stil schrieb und auch für das große Publikum spannende Themen bearbeitete, betrieb hier die meisten seiner hiesigen Forschungen. Vor dem Ersten Weltkrieg arbeiteten hier auch Franz Eckhart und Gyula Miskolczy. Später spielten beide Forscher im Wiener Institut für Ungarische Geschichtsforschung im Gardepalais eine wichtige Rolle (siehe Punkt 14).
Die bedeutendste Persönlichkeit des Hofkammerarchivs ist Lajos Thallóczy. Er war die längste Zeit, von 1885 bis 1916, Direktor des Archivs, und von den Direktoren hatte er die glänzendste Karriere. Thallóczy war die begabteste und hervorragendste Figur der Jahrhundertwende und des Anfangs des Jahrhunderts. Als Historiker verfügte er über außerordentliche Intelligenz und großes Wissen, sprach zahlreiche Sprachen. Er war Vertrauter und Balkan-Experte Franz Josephs I. Außerdem war er der Leiter eines berühmt-berüchtigten Kreises in Wien: Ungarische Wissenschaftler, Künstler und Politiker (unter ihnen auch Minister, sogar Ministerpräsidenten), die in Wien lebten oder gerade dort verweilten, waren seine Stammgäste. Die größte Attraktionen der von Thallóczy organisierten Abende waren die erotischen Dichtungen von Árpád Lőwy, die er selbst vortrug. (In dieser Gattung war Lőwy zweifellos der größte ungarische Dichter. Unter seinem bürgerlichen Namen, László Réthy war er übrigens ein international anerkannter Numismatiker.) Thallóczy stieg in der politischen Hierarchie immer weiter auf - höchstwahrscheinlich nicht wegen der Zusammenkünfte in diesem Kreise, sondern wegen seiner geistigen Fähigkeiten; 1916 war er schon der zivile Statthalter des von österreichisch-ungarischen Truppen besetzten Serbiens. In dieser Eigenschaft wohnte er auch dem Begräbnis Franz Josephs I. bei. Er fuhr von hier nach Budapest und wurde bei einem Zugsunglück getötet.
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Punkt 23. Vom Hofkammerarchiv in der Johannesgasse führt unser Spaziergang zurück zur Kärtnerstraße und über sie hinweg zum nahen Neuen Markt und zur Kapuzinerkirche. Aus ungarischer Sicht ist nicht so sehr die Kirche selbst von Interesse, sondern eher die Kapuzinergruft, die Gruft des Hauses Habsburg, die Begräbnisstätte von 12 Habsburg-Herrschern. Hier wurden - in Zeitenfolge - Matthias I., Ferdinand III., Leopold I., Joseph I. (nur seine Herzurne befindet sich hier), Karl VI. (als ungarischer König Karl III.); Maria Theresia, Joseph II., Leopold II., Franz I., Ferdinand I., Franz Joseph und der mexikanische Kaiser Maximilian beigesetzt. Mit Ausnahme des letzten waren alle zugleich auch ungarische Könige. Die Nieren der Familienmitglieder werden im Stephansdom (siehe Punkt 1), und die Herzen in der Augustinerkirche (1010, Augustinerstraße 3, dem Palais Pálffy gegenüber, siehe Punkt 19) aufbewahrt.
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Punkt 24. Vom Neuen Markt geht es wieder zurück zur Kärtnerstraße, und über sie in die Himmelpfortgasse. Auf Nr. 13 befindet sich das Erdődy-Fürstenberg-Palais. Es wurde für die Grafen Erdődy um 1720 erbaut. Der Vorgänger des Palais befand sich ab 1625 in Besitz der Familie Rákóczi, ab 1677 in dem der Familie Erdődy und des Generals Aspremont, dann ab 1714 wieder in Besitz der Familie Erdődy. Jahrelang wohnte hier Ferenc Rákóczi II. Daran erinnert eine Tafel mit folgender Aufschrift: "An Stelle dieses Gebäudes stand am Ende des 17 Jh-s das Palais Aspremont. Hier stieg Ferenc Rákóczi II., der Anführer des ungarischen Freiheitskampfes in den Jahren 1703-1711, während seines öfteren Wien-Aufenthaltes in den 1690er Jahren ab." Auch Beethoven weilte hier 1806 einige Monate auf Einladung der Gattin von Peter Erdődy, Mária Niczky, zu Besuch. Das Palais kam 1825 in den Besitz der Fürsten von Fürstenberg.
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Punkt 25. Von der Himmelpfortgasse gelangt man über die Route Seilerstätte, Singerstraße, Riemergasse, Wollzeile, Postgasse zum Gebäudekomplex der Alten Universität (Bäckerstraße 20 - Dr. Ignaz-Seipel-Platz 1.), welcher zwischen 1623 und 1627 an Stelle des früheren Universitätsviertels von Jesuiten errichtet wurde. Die Universität wurde 1365 von Rudolf IV. gegründet, der in der Entwicklung Wiens zu einer Großstadt eine wichtige Rolle spielte. Da die mittelalterlichen Gründungsversuche ungarischer Universitäten der Reihe nach scheiterten, konnte sich die ungarische Intelligenz, die höhere kirchliche oder weltliche Posten anstrebte, ausschließlich an ausländischen Universitäten weiterbilden. Die Anziehungskraft des nahen Wiens erwies sich innerhalb von kürzester Zeit stärker als die der Universitäten in Norditalien oder Paris, welche in den Jahrhunderten 12-14. von Ungarn besucht wurden. Wien wurde die wichtigste ausländische Universitätsstadt für Ungarn, was es über Jahrhunderte hinweg auch blieb. Es gab Zeiten (15. Jh.), in denen mehr als ein Fünftel der Wiener Hörerschaft der "natio hungarica", der Organisation der Studenten aus Ungarn, angehörte. (Der Wahrheit wegen muß man hinzufügen, daß auch die Polen, Tschechen und Mähren als Angehörige der "natio hungarica" eingestuft wurden.) Außer den Hörern war auch ein Großteil der Lehrer ungarischer Abstammung. János Sylvester und Johannes Sambucus (siehe Punkt 19) hielten auch hier Vorträge. Aus der späteren Zeit sei nur ein Beispiel hervorgehoben: Hier unterrichtete "der Retter der Mutter", Ignaz Semmelweis, der sogar mit drei Denkmälern in Wien geehrt wurde: In den Arkaden der Neuen Universität, in 1090, Spitalgasse 23 und in 1180, Bastiangasse 36-38. Das Hauptgebäude der Neuen Universität, das sich in der Nähe der Votivkirche befindet (1010, Dr.-Karl-Lueger-Ring 1), wurde im Oktober 1884 eingeweiht.
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Punkt 26. Von der Alten Universität gelangt man an der Jesuitenkirche (früherer Name: Universitätskirche), dem Sitz der Österreichischen Akademie der Wissenschaften (früher befand sich dort die Aula der Universität) vorbei, über die Sonnenfels- oder Bäckerstraße zum Hohen Markt. Auf der anderen Seite des Platzes beginnt die Wipplingerstraße. Am Anfang dieser Straße (Nr. 8-10) befindet sich das Alte Rathaus, das vor 1316 errichtet und fortlaufend erweitert wurde. Über ein halbes Jahrtausend bis zum Ende des letzten Jahrhunderts arbeitete hier der Stadtrat Wiens.
Die Hauptfassade wurde um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert vermutlich nach den Plänen von Fischer von Erlach d. Ä., aber auf jeden Fall unter seinem Einfluß, umgestaltet. Der Innenhof beherbergt die Bürgerstube (den Saal der Räte), die genauso aussieht wie sie auf Stichen vor 300 Jahren dargestellt wurde.
Ferenc Nádasdy, der an der "sub rosa"-Verschwörung von Sárospatak teilnahm, wurde hier am 30. April 1691 enthauptet. (seine Komplizen, Peter Zrínyi und Ferenc Frangepán wurden in der Burg zu Wiener Neustadt hingerichtet.) Eine deutschsprachige Gedenktafel erinnert an dieses Ereignis. An der Rückseite des Alten Rathauses, zugänglich von der Salvatorgasse, befindet sich die Salvatorkapelle. Die Kapelle, in der Ferenc Nádasdy vor seiner Hinrichtung betete, bewahrte ihre im 14. Jh. gestaltete Form. Bloß das wunderschöne Renaissancetor stammt vom Anfang des 16 Jh-s.
Von der Salvatorkapelle gelangt man über den Judenplatz, die Kurrent-, die Steindl-, und die Goldschmiedgasse zum Ausgangspunkt unseres Spazierganges, zum Stephansplatz zurück. Es lohnt sich, das Hotel zum König von Ungarn (1010, Domgasse 7) hinter dem Dom zu besichtigen, das eine beliebte Unterkunft für ungarische Adelige während ihres Wien-Besuches war. Auch heute noch sind mehrere Zimmer nach ungarischen Familien benannt.
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Spuren ungarischer Geschichte außerhalb des 1. Bezirkes
Am Ende unseres Spazierganges auf der Suche nach ungarischen Spuren würden wir Sie gerne auf einige Sehenswürdigkeiten außerhalb des I. Bezirkes aufmerksam machen. Vor allem jene Gäste, die nicht nur einen oder zwei Tage, sondern längere Zeit in der Kaiserstadt verbringen. Der Nummerierung der Bezirke nach werden folgende Gedenkstätten (ohne Anspruch auf Vollständigkeit) zur Besichtigung empfohlen:
Schloß Grassalkovich: 1020, Obere Augartenstr. 40. Seit 1787 in Besitz von Anton Grassalkovich. (siehe Punkt15 unseres Spazierganges.)
Belvedere: 1030, Rennweg 6 (Im Oberen Belvedere wurden von deutschen und italienischen Politikern 1938 bzw. 1940 die beiden Wiener Schiedssprüche gefaßt, aufgrund derer die südliche Zone Oberungarns und der Karpaten-Ukraine, sowie Nord-Siebenbürgen wieder an Ungarn angeschlossen wurden.)
Heeresgeschichtliches Museum: 1030, Arsenal (Zahlreiche Skulpturen mit Bezug Ungarn, Gemälde, Wappen, Uniformen, Waffen und andere Ausstellungsstücke)
Museum der Stadt Wien: 1040, Karlsplatz (Gemälde, Kupferstiche und Kunstgegenstände mit Bezug Ungarn - unter anderem Kupferstiche über die Hinrichtung von Ferenc Nádasdy, Ölgemälde über das Attentat József Libényis auf Franz Joseph I. /siehe Punkt 13/)
Theresianum: 1040, Favoritenstr. 15 (Es wurde 1746 zur Erziehung von Kindern aus adeligem Hause von Maria Theresia gegründet. Das Institut hatte zahlreiche ungarische Lehrer und viele ungarische Schüler - ein Zehntel der Inskribierten.)
Haus Lehar: 1060, Theobaldgasse 16 (Das von Franz Lehar 1908 erworbene Palais.)
Palais Esterhazy: 1060, Amerlingstr. 6 (Auch dieses Sommerpalais gehörte der Familie Esterhazy, es wurde 1868 von der Stadt Wien zu kommunalen Zwecken erworben.)
Pfarrkirche Mariahilf: 1060, Mariahilferstr. 65 (Paul Esterhazy ließ sie zu Ehren der Heiligen Jungfrau Maria zwischen 1686 und 1689 errichten.)
Ehemaliges Wohnhaus von Munkácsy: 1080, Wickenburggasse 7 (Hier wohnte in der ersten Hälfte von 1865 Mihály Munkácsy, der in der Malerklasse der Akademie für Bildende Künste studierte.)
Pazmaneum: 1090, Boltzmanngasse 14 (Die von Erzbischof von Gran, Péter Pázmány, 1623 gegründete Anstalt übersiedelte 1901 in sein heutiges Heim. Zwischen 1971 und 1975 wohnte auch Kardinal Mindszenthy hier.)
Somogyi-Hof: 1140, Hütteldorfer Str. 150-154 (Der 1927/28 errichtete Hof ist ein charakteristisches Beispiel für die damaligen Wiener Sozialbauten, er wurde nach dem sozialdemokratischen Journalisten, Béla Somogyi, benannt.)
Palais Sina oder Zichy: 1140, Beckmanngasse 10-12 (Klassizisstisches, Anfang des 19. Jahrhunderts für die Grafen Zichy errichtetes Palais, ab Ende des 19 Jh-s im Besitz der Bankiersfamilie Sina. Zur Zeit ist dort die Botschaft der Demokratischen Volksrepublik Korea untergebracht.)
Andrássy-Villa: 1190, Hohe Warte 5 (Gräfin Franziska Andrássy stiftete die 1863 errichtete Villa 1902 der Gemeinde Wien, um dort ein christliches Waisenhaus für Mädchen einzurichten. Hier befindet sich auch das Denkmal der Franziska Andrássy.)
Nervenanstalt zu Döbling: 1190, Obersteinerg. 18-24. In diesem Sanatorium wohnte István Széchenyi, "der größte Ungar", 12 Jahre lang. Er beging hier in der Nacht vom 7. auf den 8. April 1860 Selbstmord. Im Garten befinden sich die in den Jahren 1960 und 1985 aufgestellten Gedenktafeln, vor dem Gebäude - dem heutigen Bezirksgericht - steht seine 1990 eingeweihte Bronzebüste /ein Duplikat des Werkes Gassers aus dem Jahre 1859./ Auch der in Ungarn geborene deutsche Dichter, Nikolaus Lenau, verbrachte hier die letzten Jahre seines Lebens. Er beging 1850 ebenfalls hier Selbstmord.
Schikaneder-Lehár-Schlössel: 1190, Hackhofergasse 18, ein im Kern barockes Gebäude, von 1932 bis 1944 im Besitz von Franz Lehár. Lehár-Gedenkzimmer, an der Fassade sein Bronzebildnis.
Stammerdorfer Pfarrkirche St. Nikolaus: 1210, Liebleitnergasse 3 (Gräber der Familie Esterházy)
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Kurze Chronologie
881: Der Name Wiens wurde zum ersten Mal in der Form "Wenia" Verbindung mit einer Schlacht gegen Ungarn erwähnt.
907: Wiens Umgebung gerät unter ungarische Herrschaft
nach 955: Die ungarische Macht in Wiens Umgebung schwindet langsam
1365: Gründung der Universität Wien. Die Universität spielte in der ungarischen Bildungsgeschichte jahrhundertelang eine wichtige Rolle.
1485-1490: König Matthias I. Corvinus ist Herrscher von Wien, er starb hier auch am 6. April 1490.
1515: Habsburgisch-jagellonischer Heiratsvertrag in Wien, demzufolge die Habsburger ab 1526 ungarische Könige wurden.
1606: Der Friede von Wien zwischen Stephan Bocskai und dem Kaiser, vertreten durch Matthias von Habsburg
1683: Bei Wiens Belagerung nimmt Imre Thököly auf der Seite der Türken an der Schlacht teil.
1704: Wien wird innerhalb von drei Monaten mit einer zweiten Verteidigungslinie zum Schutz gegen die Streifzüge der Kuruzzen, dem Lilienwall, umgeben (anstelle des heutigen Gürtels).
1747: Erwerb des Gebäudes der ungarischen königlichen Hofkanzlei
1760: Gründung der ungarischen königlichen Leibwache, Ankauf des Palais Trautson.
1848: Ungarische Honved-Truppen vor Wien (Schlacht von Schwechat)
1873: Die Wiener Weltausstellung - Ungarn stellt als eigenständiges Land aus.
1918: Nach dem Zusammenbruch der Monarchie wird die erste Botschaft des unabhängig gewordenen Ungarns in Wien eröffnet.
1956: Ungarische Flüchtlinge in Wien

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